Leben

Wenn der Bürgermeister in Bier schwimmt

Erlangens Oberbürgermeister Volleth hat seine Generalprobe für die Bergkirchweih mit einem überraschenden Ereignis beendet. Ein Rückblick auf ein unvergessliches Erlebnis.

vonFelix Schmidt22. Juni 20263 Min Lesezeit

Es gibt Momente im Leben, die bleiben einem unauslöschlich im Gedächtnis. Ich erinnere mich deutlich an die letzte Bergkirchweih in Erlangen. Es war ein sonniger Tag, der Geruch von frischgezapftem Bier lag in der Luft, und man konnte die Vorfreude der Menschen förmlich spüren. Doch was dann passierte, war nicht nur unerwartet, sondern auch recht amüsant. Der Oberbürgermeister der Stadt, einer der letzten, der sich in der Öffentlichkeit so unbeschwert zeigen kann, wurde zum unfreiwilligen Hauptdarsteller einer Bierdusche.

Die Generalprobe, eine Tradition, um den Ablauf dieser jährlichen Festivität zu testen, verlief nicht ganz wie geplant. Die Stimmung war entspannt, das Publikum neugierig. Die Brauereien hatten ihre besten Sorten bereitgestellt, und alles schien auf einen feierlichen und reibungslosen Ablauf hinzudeuten. Doch als Volleth, mit einem charmanten Lächeln und einem Glas Bier in der Hand, an den Kameras vorbeischritt, geschah es. Ein missratener Wurf eines übermotivierten Kindes, ein Querverweis auf die oft spöttisch als "Bierduschen für Kinder" bezeichneten Scherze, und schon war der Oberbürgermeister unabsichtlich bis auf die Haut durchnässt.

Es war ein Bild für die Götter, oder eher gesagt, für die Social-Media-Plattformen. Sofort blitzten die Handys auf, und die Gesichter der Anwesenden bestanden aus einem Gemisch von Schock und Belustigung. Der Oberbürgermeister, trotz seiner nassen Kleidung und der durchweichten Krawatte, lachte herzhaft über die Situation. "Das ist wohl das kürzeste Bierfass von Erlangen", bemerkte er schlagfertig und schuf damit eine Verbindung zu den Zuschauern, die so ungemein menschlich war, dass man kaum glauben konnte, dass er in eine Peinlichkeit geraten war.

Solche Momente, in denen auch die Führungspersönlichkeiten der Stadt einen Hauch von Menschlichkeit zeigen, sind rar. In einer Zeit, in der die Politik oft von ernsten Gesichtern und eindringlichen Reden geprägt ist, klingt es erfrischend, wenn jemand das Lachen nicht verliert – selbst wenn er in Bier badet. Es erinnerte uns daran, dass es nicht nur um die Feierlichkeiten geht, sondern auch um die Gemeinschaft.

Die Bergkirchweih ist schließlich mehr als nur ein Bierfest; sie ist eine Institution. Sie verbindet Generationen, bringt Freunde zusammen und lässt die Stadt für einige Tage zu einem Ort des Lachens und der Freude werden. Und inmitten all dessen bleibt auch ein bisschen Raum für Unfälle und peinliche Momente, die einige von uns erst recht zusammenschweißen.

Ein paar Wochen nach diesem denkwürdigen Tag stellte ich fest, dass die Erinnerungen an die Bierdusche nicht nur in den sozialen Medien, sondern auch in den Gesprächen der Leute lebendig blieben. „Hast du gehört, wie der OB vor versammelter Menge in Bier getaucht wurde?“, hörte ich einen Bekannten sagen, während wir in einer der vielen Biergärten der Stadt saßen. Die Lacher waren grenzenlos und das Thema schaffte es, selbst in die ernsthaftesten Diskussionen über Erlangen Platz zu finden.

Diese Art von Humor, der aus einer unerwarteten Situation entsteht, sollte nicht unterschätzt werden. Es ist eine Art, die Stadtgemeinschaft zusammenzuhalten, eine Erinnerung daran, dass wir alle Teil eines größeren Etwas sind, und dass selbst die Mächtigsten unter uns nicht vor den Launen des Schicksals gefeit sind. Ein nasses Anzugteil mag auf den ersten Blick eine Peinlichkeit sein, doch für viele von uns wird es als das beste Beispiel für den menschlichen Geist in Erinnerung bleiben – es bedeutet, das Leben nicht zu ernst zu nehmen und in der Lage zu sein, über sich selbst lachen zu können.

In Zeiten, in denen Unsicherheit oft an der Tagesordnung ist, sind es solche kleinen Momente des Humors, die uns daran erinnern, dass das Leben nicht nur aus ernsten Herausforderungen besteht. Und vielleicht ist es gerade diese Fähigkeit, über das eigene Missgeschick zu schmunzeln, die uns als Gesellschaft zusammenhält.

Ich freue mich auf die nächste Bergkirchweih. Vielleicht gibt es ja wieder eine Bierdusche. Oder aber, die nächste Generalprobe läuft diesmal ohne Zwischenfälle. Aber selbst dann, scheinen die Erinnerungen an diesen Tag immer einen Platz in unseren Gesprächen zu finden.

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